Demenz vorbeugen: Welches Gehirnjogging wirklich helfen kann – und was Studien zeigen
Kann man einer Demenz vorbeugen?
Viele Menschen versuchen, ihr Gehirn mit Rätseln oder Sudoku fit zu halten. Doch welches Gehirntraining hilft wirklich?
Nicht jedes Gehirntraining wirkt gleich. Eine aktuelle Studie aus 2026 zeigt: Einige Übungen verbessern Gedächtnis oder Denken und helfen im Alltag weiter. Andere, ganz bestimmte Trainingsformen scheinen langfristig einen Einfluss auf das Risiko zu haben, an Demenz zu erkranken. Welche sind das?
In diesem Artikel erfährst du:
- welche Gehirntrainings wissenschaftlich untersucht wurden
- welche Übungen deine Aufmerksamkeit und Denkgeschwindigkeit im Alltag verbessern
- welches Gehirnjogging sich laut Studie als besonders wirksam zur Vorbeugung einer Demenz erwiesen hat
In Deutschland lebten 2025 etwa 2 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung – mit steigender Tendenz. Die Angst, an Alzheimer zu erkranken, bewegt viele Menschen. Schon in den „besten Jahren“ stellen viele fest, dass Gedächtnis und Konzentration sie immer wieder einmal im Stich lassen. Was kann man tun, um sein Gehirn auf Trab zu bringen bzw. zu halten? Welches Gehirntraining ist das beste?
Februar 2026 – eine neue Studie macht Hoffnung
Eine gerade veröffentlichte, groß angelegte und richtungsweisende Studie zeigt hier klare Ergebnisse und Empfehlungen („Impact of cognitive training on claims-based diagnosed dementia over 20 years: evidence from the ACTIVE study“, veröffentlicht in „Alzheimer’s & Dementia: Translational Research and Clinical Interventions“).
Die Ergebnisse zeigen in einer bisher nie dagewesenen Klarheit, welche Gehirntrainings-Maßnahmen die besten sind:
- zum Schutz vor Alzheimer und Demenz
- zur Bewältigung des Alltags
Verglichen wurden über einen Zeitraum von 20 Jahren bei 2.800 Patienten drei grundlegende Trainingsarten:
- Gedächtnistraining
- Training des logischen Denkvermögens
- Geschwindigkeitstraining
Die letzte Überprüfung der fast dreitausend Testpersonen fand über einen Zeitraum von sechs Wochen statt. Die Teilnehmer nahmen in 4 Gruppen an insgesamt zehn unterschiedlichen Gehirntrainings teil.
Was wurde konkret trainiert?
1. Gedächtnistraining
- Merktechniken (z. B. Eselsbrücken)
- Namen und Geschichten merken
Ergebnisse:
Die Gedächtnisleistung verbesserte sich deutlich und war im Alltag ausgesprochen hilfreich.
Gleichwohl konnte das Risiko an Demenz zu erkranken aber nicht signifikant gesenkt werden. Gedächtnistraining bietet also keinen nachgewiesenen Schutz vor Demenz.
2. Logisches Denkvermögen
Erkennen und Fortsetzen von:
- Zusammenhängen
- logischen Abfolgen (z. B. Figurenreihen, numerischen Daten, Mustern)
und daraus Problemlösungen und Schlussfolgerungen entwickeln.
Ergebnisse:
Die Effekte waren ebenfalls im Alltag sehr hilfreich.
Ein positiver Einfluss auf das Risiko an Demenz zu erkranken konnte aber auch hier nicht signifikant festgestellt werden.
3. Geschwindigkeitstraining
- schnelle visuelle Wahrnehmung
- geteilte Aufmerksamkeit
- Reaktion unter Zeitdruck
Diese Gruppe trainierte, Informationen schnell und korrekt aufzunehmen und zu verarbeiten. Dabei wurden die Aufgaben je nach individuellem Fortschritt zunehmend schwieriger und komplexer.
Ergebnisse:
- 25 % weniger Demenzdiagnosen nach 20 Jahren (mit Booster-Training, dazu später mehr)
- 30 % Risikoreduktion nach 10 Jahren
Besonders positiv: Der Effekt hält offensichtlich sehr langfristig an, hat also eindeutig nachhaltige Effekte.
Geschwindigkeitstraining war der einzige Trainingsansatz, bei dem eindeutig nachgewiesen werden konnte, das Risiko eine Demenz zu entwickeln zu verringern.
Geschwindigkeitstraining kann also in vielen Fällen vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen schützen.
Warum ist das so? Wie lassen sich die Ergebnisse medizinisch erklären?
Gerade das kognitive Geschwindigkeitstraining zeigte eine schützende Wirkung auf das Gehirn. Die Studienleiter gehen davon aus, dass ein Geschwindigkeitstraining das Gehirn physisch verändern kann. Es entstehen neue Verbindungen zwischen neuronalen Netzwerken, also Gruppen von Nervenzellen, die miteinander verbunden sind.
Das ist insofern von Bedeutung, da beispielsweise das Erkennen von Gesichtern, Bewegung, Formen oder Farben nicht nur von einer Region im Gehirn ausgeführt wird, sondern in vielen Bereichen, die miteinander verbunden sind.
Hier einige Beispiele für typische Aufgaben
1. Nützliches Gesichtsfeld („UFOV-Training“)
Hier geht es um das Zusammenspiel von zentraler und peripherer Wahrnehmung sowie Aufmerksamkeit.
Du fixierst in der Mitte einen Gegenstand oder ein Symbol – gleichzeitig erscheint am Rand ein zweites Objekt.
Aufgabe:
Das zentrale Objekt erkennen und sagen, wo das äußere war (z. B. oben oder unten, links oder rechts).
Schwierigkeit:
- Die Anzeigezeit wird immer kürzer.
- Ablenkungen kommen hinzu.
Trainiert wird:
- die geteilte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
- peripheres Sehen
- Verarbeitungsgeschwindigkeit

2. Reaktionszeit
Aufgabe:
Sobald ein bestimmtes Symbol erscheint, so schnell wie möglich klicken.
Oder: Nur bei bestimmten Reizen klicken – Go / No-Go.
Steigerung der Schwierigkeit:
- Mehrere Symbole werden angezeigt – die Reaktion darf aber nur auf ein Ziel erfolgen.
- Die Regeln werden ständig gewechselt.
Trainiert werden:
- Reaktionsgeschwindigkeit
- Impulskontrolle
3. Visuelle Suche (Finde so schnell wie möglich das Ziel)
Aufgabe:
Finde ein bestimmtes Symbol unter vielen ähnlichen (z. B. eine „3“ zwischen vielen „8“).

Steigerung der Schwierigkeit:
- mehr Distraktoren – also falsche Antwortmöglichkeiten, die bewusst ablenken und die korrekte Antwort plausibel verschleiern sollen
- zunehmend geringere Unterschiede
- Zeitlimit
Trainiert werden:
- selektive Aufmerksamkeit
- schnelles Scannen
4. Mehrfachaufgaben (Dual-Task)
Aufgabe:
Zwei Dinge gleichzeitig machen.
Beispiel:
Lies die Zahlen laut vor und merke dir die Buchstaben.

Danach:
- Welche Zahlen waren da?
- Welche Buchstaben?
Steigerung der Schwierigkeit:
- schneller lesen
- mehr Elemente
Trainiert werden:
- Aufmerksamkeitsverteilung
- kognitive Flexibilität
5. Schneller Wechsel der Regeln (Task-Switching)
Aufgabe:
Schnell entscheiden können unter ständigem Wechsel der Regeln.
Beispiel:

- „Drücke links bei gerader Zahl“ – „Drücke rechts bei Vokal“
- dann plötzlich neue Regel
- „Drücke jetzt links bei Konsonant“ – „Drücke rechts bei ungerader Zahl, aber nur jedes zweite Mal“
Schwierigkeit:
- schneller Wechsel
- mehr Regeln
Trainiert werden:
- mentale Flexibilität
- exekutive Kontrolle (Anpassung an neue Situationen)
6. Mustervergleich unter Zeitdruck
Aufgabe:
Sind zwei Bilder gleich oder unterschiedlich?
Sehr kurze Präsentation.

Schwierigkeit:
- zunehmend geringere Unterschiede
- zunehmend höhere Geschwindigkeit der Präsentation
Trainiert werden:
- visuelle Verarbeitung
- Entscheidungsgeschwindigkeit
7. Alltagssimulation (z. B. Aufmerksamkeit)
Aufgabe:
- suche alle gesunden Lebensmittel
- gleichzeitig merken, wo sie vom + aus gesehen sind

Trainiert werden:
- alltagsnahe Aufmerksamkeit
- Reaktionsfähigkeit
Grundprinzip bei allen Aufgaben
- Wenn du richtig antwortest → die Zeit wird kürzer.
- Wenn du Fehler machst → die Aufgabe wird wieder leichter.
Ziel: deine maximale Verarbeitungsgeschwindigkeit steigern.
Jeder kann damit starten – egal in welchem Alter
Michael Marsiske, einer der Studienleiter, zu den Ergebnissen:
„Wir konnten keine wesentliche Verringerung des Trainingsnutzens mit zunehmendem Alter feststellen, was darauf hindeutet, dass das Training jederzeit begonnen werden kann.“
Ganz wichtig: Dranbleiben mit „Booster“-Training
Der Schutzeffekt gerade beim Geschwindigkeitstraining wird größer, wenn regelmäßig trainiert wird, bzw. in der Studiengruppe zusätzliche Wiederholungs-Sessions gemacht wurden:
Positiv im Alltag
Die Teilnehmer berichteten, dass sie weniger Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben wie Kochen oder Medikamenteneinnahm haben.
Die Studie selbst ist aber immer nur Teil eines Gesamtpakets aus Bewegung, Ernährung und sozialer Aktivität. Mehr über ein sinnvolles Gesamtpaket erfahrt ihr hier: https://www.prosan.de/blog/wie-viel-vergesslichkeit-ist-noch-normal